Ein Hype geht zu Ende?

Viele Insider der Trachtenbranche sagten dem Dirndl-Hype ein rasches Ende voraus. Wie geht es weiter?

Das englische Wort Hype wird oft für etwas aufgebauschtes oder künstlich hochgespieltes verwendet und ist auf jeden Fall eine Steigerung vom Trend, der meist nur eine oder wenige Saisonen überdauert. Meistens ist dieses Phänomen ein Ausdruck einer bestimmten Zeitperiode und der dazugehörigen Kultur und Mode.

Sind solche Hypes in der Trachtenbranche neu?

Keineswegs. In der Biedermeier-Zeit war das Tragen von Tracht sehr modern und auf vielen Gemälden dieser Zeit findet man detaillierte Darstellungen der damaligen Trachtenmode. Auch nach der Jahrhundertwende wurde die Tracht in den Städten getragen. In den 30er und 40er Jahren wurde die Tracht dann zu einer politischen Aussage und wurde bis auf den heutigen Tag in seinem Aussehen geprägt.

Nachdem das Tragen der Tracht nach dem zweiten Weltkrieg Jahrzehnte lang verpönt war und als Inbegriff des Spießertums galt, trat in den 80er und 90er Jahren der Landhausstil ans Licht. Wir erinnern uns leicht amüsiert an die beigen, kurzen Leinenkleider und Röcke, die mit üppigen weissen Rüschen und Schnallenapplikationen verziert waren.

Wie entsteht der Hype?

Ab den 2000er Jahren wurde das Tragen eines Dirndls zum Klischee. Das Münchner Oktoberfest spielte hier sicher eine tragende Rolle. Scharen junger Mädchen, Touristen und Fernsehpersönlichkeiten trugen meist kostengünstige und viel zu kurze Dirndl mit Unmengen an bunten, glitzernden wild durcheinander gewürfelten Trachtenaccessoires ganz gleich ob es dazu passt oder nicht. Alles was auch nur im entferntesten mit Tracht zu tun hatte oder einen Hirschen abbildete wurde meist stil- und lieblos miteinander kombiniert.

Dadurch wurde die Tracht von aussenstehenden meistens als Lachnummer oder Gaudi-Kostüm empfunden und das zurecht. Dies führte zu einer richtigen Übersättigung der Thematik und damit zum Abklang dieser regelrechten Hysterie in der Trachtenbranche.

Wie geht es weiter?

Das Abflauen eines solchen Mega-Trends hat viele positive Effekte. Die Branche sortiert sich neu und Trittbrettfahrer-Labels überleben so ein Ende meist aus Mangel an eigenen Ideen nicht. Die traditionellen Hersteller und alteingesessenen Designer zeigen stilgetreu hochwertige und schlichte Interpretationen und tragen dazu bei, dass das Trachtenmetier eine ernstzunehmende Branche wird.

Tracht zu tragen ist kein Trend sondern ohne Übertreibung eine Lebenseinstellung. Sie lässt sich einfach in den Alltag integrieren, siehe dazu unser Artikel Tracht im Alltag. Ein Trachtenlook muss genauso gut durchdacht werden wie ein Outfit zu einem Vorstellungsgespräch. Man kann damit seinen persönlichen Stil und seine Stimmung ausdrücken. Es ist etwas individuelles und charakteristisches, keine Party-Uniform!

Abschließend kann gesagt werden dass es nicht der erste und sicher nicht der letzte Trachten-Hype gewesen ist. Jetzt interessiert uns eure Meinung, wie empfandet ihr den Trachtenwahnsinn? Denkt ihr es ist vorbei? Und wenn ja, ist das gut oder schlecht?

Beitragsbild: A. Adel; Tim Reckmann/pixelio.de

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